Ich hab‘ die Haare schön - manchmal
Welche Frau mag es nicht: Aus dem Friseursalon kommen und sich mit dem frisch gestylten Haar einfach toll fühlen. Bei der Auswahl von Frisur und Farbe geht es ja normalerweise immer darum unseren Geschmack zu treffen oder mit der neuesten Mode zu gehen. Da darf der Besuch im Salon mit Strähnen oder Farbe, Abmattieren, Pflege, Schneiden, Stylen und so weiter gerne mal 4 Stunden oder länger dauern. Kein Problem!
Oder doch? Oh ja! - Natürlich möchte ich auch als ME/CFS-Betroffene die Haare schön haben. Schließlich bin ich zwar krank, aber das bedeutet ja nicht, dass ich mich nicht auch wohlfühlen möchte. Dennoch muss ich auch hier - wie in so vielen anderen Lebensbereichen - im Sinne des Pacings Abstriche machen. Konkret heißt das für mich: Es geht wie immer darum, was in der Situation machbar ist - nicht, was ich eigentlich gerne hätte. Und stundenlange Friseurbesuche sind definitiv nicht mehr machbar!
Darum habe ich mich inzwischen für eine praktische Frisur entschieden, die ich größtenteils einfach trocknen lassen kann. Nicht für den frechen Schnitt, der aufwändig geföhnt und gestylt werden muss. Auch auf die blonden Strähnen, die ich so sehr an mir gemocht habe, verzichte ich nun schon seit einigen Jahren. Na ja, dafür kommen immer mehr graue Strähnen - ist ja auch irgendwie hell 🤣. Es geht halt darum, mit möglichst geringem Aufwand sich dennoch einigermaßen wohlzufühlen.
Ich bin so froh, dass ich an guten Tagen noch zum Friseur gehen kann, denn vielen anderen Betroffenen ist das nicht mehr möglich. Und so genieße ich ca. 3-mal im Jahr mit dem Besuch von Violetta's Friseursalon auch ein bisschen Normalität. Auch wenn es heute vollkommen anders ist als früher. Denn nun ist es mehr Zweckmäßigkeit als reiner Wohlfühltermin. Statt dort Kopfmassage und Kurpackung zu genießen, wasche ich mir die Haare kurz vor dem Termin zu Hause und lasse mich von meinem Mann mit nassen Haaren zum Salon bringen. Dort werden sie nur geschnitten, kurz trocken gepustet und dann ist der Friseurbesuch nach 15-20 Minuten auch schon wieder vorbei. Trotz allem gehe ich mit dem Gefühl nach Hause, dass ich die Haare schön habe!
Auch das Haarewaschen an sich ist nun ein bisschen anders geworden: Statt alle 3 Tage sind es nun meist 5-7 Tage bis zur nächsten Wäsche, da es gilt Energie zu sparen. Auch wenn das heißt, dass es trotz dem guten alten Trockenshampoo für zwischendurch einige „BadHairdays“ gibt und die Haare in alle Richtungen abstehen! Statt Kurpackung gibt es nur noch eine Sprühkur, die nicht mehr ausgewaschen werden muss. Glätteisen und Lockenstab fristen inzwischen ein einsames Dasein, aber ganz selten dürfen auch Fön und Bürste an „Waschtagen“ noch mal kurz zum Einsatz kommen. Insgesamt dauert der ganze Prozess aber nur noch 15 statt wie früher 45 Minuten, bis ich mich wieder „öffentlichkeitstauglich“ fühle.
Auch hier zeigt sich mal wieder, wie sehr ME/CFS einschränkt. Aber ist das wirklich oberflächlich, wenn ich trotz Krankheit einigermaßen gut aussehen möchte? Wenn ich ein bisschen Würde behalten möchte? Vielleicht mag das für den einen oder anderen so aussehen. Für mich gehört es zum Wohlfühlen - solange es möglich ist - einfach dazu.
Wie ist das bei Euch? Könnt Ihr noch zum Friseur gehen? Könnt Ihr noch die Frisur tragen, die Ihr möchtet?
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