Gefühle lieber unter Kontrolle
Es sind jene dunkleren Tage, in denen mir Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit mehr zu schaffen machen als an den anderen Tagen. Diese Tage an denen die Traurigkeit über alles das, was nicht mehr geht doch wieder größer ist, als der positive Fokus. An denen das Gefühl dass ich Stück für Stück alles verliere, was das Leben so schön macht, doch wieder überwiegt.
Dann weiß ich: Jetzt brauche ich einen lieben Menschen, der für mich da ist. Meist habe ich aber in solchen Momenten nur meinen Mann, der mich in den Arm nimmt und mit dem ich diese Gedanken und Ängste teilen kann. Wenn er nicht greifbar ist, wird es schon schwieriger und ich weiß dann einfach nicht wohin mit meinen Gefühlen. Natürlich sind da auch Freundinnen und Familie, die mir immer wieder sagen, sie sind für mich da. Doch irgendwie konnte ich mich nie überwinden, sie in solchen Momenten anzurufen. Da war so etwas wie eine Sperre und ich habe mich oft gefragt: Warum eigentlich?
Die naheliegendste Antwort darauf ist sicherlich, dass mir genau in diesen Situationen, in denen es mir sowieso schon schlecht geht, schlichtweg die Energie zum Telefonieren und für lange Erklärungen fehlt. Hinzu kommt aber auch mein allgegenwärtiges Gefühl niemanden mit meinem „Gejammer“ nerven zu wollen. Schließlich haben "die anderen" auch ihr Leben, ihre Sorgen. Hin und wieder bin dennoch kurz davor nach dem Hörer zu greifen. Doch dann gehe ich in Gedanken die Menschen durch, die ich anrufen könnte: ist gerade unterwegs, ist selbst schon am Limit, hört mir nicht wirklich zu, arbeitet gerade, versteht mich nicht wirklich, ist gerade nicht erreichbar…Und dann traue ich mich doch wieder nicht.
Aber da ist auch noch etwas anderes, etwas was ich immer nicht richtig greifen konnte. Und dann fiel es mir beim Ansehen eines Films plötzlich wie Schuppen von den Augen: Mir fehlt in solchen Momenten nicht jemand, mit dem ich telefonieren oder chatten kann, sondern meine besten Freundinnen, die mich genau in dem Moment einfach mal in den Arm nehmen.
Die mir zuhören, aber auch mit mir zusammen auf dem Sofa sitzen und schweigen können. Und mich trotzdem spüren lassen, dass sie da sind, dass ich ihnen wichtig bin. Die mir Mut machen, wenn ich die Hoffnung verliere. Die mir Geborgenheit, Sicherheit und das Gefühl geben „zusammen schaffen wir das“. Denn: Wer soll mich denn halten, wenn alles aus mir herausbricht? Wer soll mich auffangen?
Ich bin froh, endlich zu wissen, warum ich nicht einfach zum Hörer greife, wenn es mir schlecht geht. Dass mir die Nähe beim Telefonat fehlt. Auch wenn das nichts an den Tatsachen ändert, so bringt mich diese Erkenntnis dennoch einen Schritt weiter: Ich werde mir Strategien überlegen, was - oder besser wer? - dieses "Nähegefühl" auch beim Telefonieren erzeugen kann.
Vielleicht habe Ihr ja Ideen?
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